Wissenschaftliches Arbeiten – eigentlich cool!

Ein neues Semester an den österreichischen Unis hat begonnen und zahlreiche Lehrende sind wieder einmal beauftragt, den Studierenden die verschiedenen Künste des jeweiligen Faches näherzubringen. Darunter auch eine Grundlage: wissenschaftliches Arbeiten.

Mancherorts als trockenes und wenig farbenfrohes Gebiet verrufen, verdient es doch weitaus mehr Aufmerksamkeit und vielleicht sogar Ruhm (und ein wenig Glanz). Besonders in den Geisteswissenschaften bildet das wissenschaftliche Arbeiten einen essentieller Grundpfeiler. Es umfasst einen schwierigen Prozess, der bei der Idee und Fragestellung beginnt, über Literatur- und Quellenrecherche verläuft und schließlich in einer gut geschriebenen und vor allem strukturierten Arbeit mündet. Ohne wissenschaftliches Arbeiten entstehen andere Texte, andere Ergebnisse, die durchwegs ihre Berechtigung und ihren großartigen Wert besitzen. Doch die wissenschaftliche Auseinandersetzung ist nicht nur eine schwierige und anzuerkennende Leistung, sie ist zudem enorm wertvoll und gibt dem Ausübenden einen Vorteil. Um es für die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler allen Alters salopp zu formulieren: Wissenschaftliches Arbeiten ist verdammt cool!

Wer mehr weiß,…

In den Naturwissenschaften haben prominente Figuren wie Neil deGrasse Tyson es längst heraus: Wissenschaftliche Erkenntnisse und die dahinterliegende Arbeitsweise sind voller Faszination. Damit holt Tyson nicht nur eingfleischte Space-, Tech- und Science-Fans ab, sondern inspiriert besonders die nachkommenden Generationen zu einem neugierigen und wissenschaftsgeleiteten Lebensweg. Wissen über die Welt, das Weltall und das Universum ist cool und das interessierte Publikum empfängnisbereit.

Nun können die Geistes- und Kulturwissenschaften nicht unbedingt mit wissenschaftlichen Erkenntnissen über die neuesten Exo-Planeten dienen. Zwar mögen sich die Objekte der Begierde unterscheiden, doch ähneln sich die Vorgehensweisen im Kern ganz deutlich. Denn die verbindliche Wissenschaftlichkeit fordert in erster Linie kritisches Denken und genaues Hinterfragen sowie das Zusammentragen vorhandener Informationen. Gemeinsamer Nenner ist stets das logische Denken selbst. Und schlicht darin liegt eine Faszination und auch das Kapital der geisteswissenschaftliches Arbeitstechniken selbst: Sie kultivieren eine wertvolle Fähigkeit, die dazu beflügelt, selbständig zu denken und handeln, logische Schlüsse zu ziehen und Innovation – kulturell, sozial, technisch, medizinisch und so weiter – voranzutreiben.

…der kann auch mehr.

Wissenschaftliches Arbeiten sollte nicht den Stellenwert einer Sisyphusarbeit oder mühseeligen Pflichtübung haben. Es bietet die Grundlage für kritisches Denken und eröffnet die Möglichkeit, viel tiefer in Themen einzutauchen. Beginnend bei Begrifflichkeiten und Forschungsfeldern, fördert die intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung ein komplexes Verständnis der Existenz selbst. Dabei können sogar Zeit und Raum auf einfache Weise überwunden werden. Kulturwissenschaften bringen Räume zusammen und in den Vergleich, die Geschichtswissenschaften öffnen das Tor zur Zeit selbst.

Wer mehr weiß, der kann auch mehr. Wissenschaftlich zu arbeiten ist ein nützliches Tool – egal, ob es für den spontanen logischen Schluss, das nächste Projekt oder eine große Entscheidung ist. Jeder Mensch, der weniger glauben muss, was ihm oder ihr vermittelt wird, und stattdessen selbst die Antworten ergründen kann, führt zwangsläufig zu einer selbstbestimmteren Gesellschaft. Die Fähigkeit des wissenschaftlichen Arbeitens mag somit auch den Gipfel des selbstbestimmten Denkens (und geistigen Arbeitens) darstellen. Fest steht jedoch, dass Wissenschaft und kritisches Denken einen festen Platz im Leben der modernen Menschen benötigt.

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